Patrick Burtscher - Weltoffenheit als Kernkompetenz

(Artikel in den VN, 20.05.22)


Patrick Burtscher zeichnet vor allem eine wache Neugier aus – eine Neugier auf andere Lebenswelten, auf technische und gesellschaftliche Entwicklungen, aber auch auf kulturelle Ereignisse. „Mich interessiert eigentlich alles“, betont der Pädagoge. Dieses grundsätzliche Interesse an allen Dingen, die den Lebensalltag begleiten, empfindet er als bereichernd: „Es ist mir ein Anliegen, meine Kenntnisse ständig zu auszubauen. Es macht einfach Freude, sich in eine Sache zu vertiefen und ständig dazuzulernen.“ Somit stellt er persönlich die Verkörperung des Begriffs „Lebenslanges Lernen“ dar, was ihm als Geschäftsführer der Volkshochschule Bludenz sehr zugute kommt, denn dies ist auch das Motto dieser erfolgreichen Institution. Am 1. März hat er die Nachfolge von Elisabeth Schwald, der langjährigen Direktorin, angetreten.

 

Weltoffenheit durch weitläufige Auslandserfahrungen

Die Freude am Unterrichten wurde dem Großwalsertaler sozusagen in die Wiege gelegt, denn schon seine Mutter Elisabeth Burtscher war eine begeisterte Lehrerin. Als er selber dann mit 16 Jahren als Skilehrer zu arbeiten begann, entdeckte er die Freude daran, Wissen generell weiterzuvermitteln. So unterrichtete der umtriebige junge Mann nach der Matura ein Jahr lang in Paraguay. Danach absolvierte er die Pädagogische Akademie in Feldkirch und unterrichtete sodann im Montafon, im Bregenzerwald sowie in seiner Heimatgemeinde Fontanella und in Sonntag. Fremde Kulturen hatten ihn immer schon fasziniert. Ein Auslandsjahr in England folgte: „Ich wollte unbedingt meine Sprachkenntnisse in Englisch festigen, damit ich mich auf meinen Reisen besser verständigen konnte. Es war mir immer schon wichtig, eine andere Kultur nicht nur oberflächlich kennenzulernen, sondern möglichst alle Facetten zu erfassen.“ Die erweiterten Sprachkenntnisse kamen ihm bei einer achtmonatigen Auszeit im Jahr 2003 in Australien zugute. Dieser Aufenthalt prägte den kulturbegeisterten Volksschullehrer, zwei Jahre später erfolgte bereits ein Umzug nach Melbourne.

 

Mit Motivation die Lernfreude wecken

Mit viel Mut und der entsprechenden Aufgeschlossenheit gründete er in Australien ein Unternehmen, das sich auf Nordic Walking spezialisiert hatte: „Nordic Walking war zu dieser Zeit eine Novität in Australien. Wir waren sehr erfolgreich und haben hauptsächlich Physiotherapeuten, Orthopäden und Personal Trainer ausgebildet. Und wie es Patrick Burtscher eben entspricht, eignete er sich in kürzester Zeit für die Gründung seines Unternehmens fundiertes Business-Wissen an und schloss zudem Fernstudien mit Diplomas in Business und Administration ab. 14 Jahre verbrachte der sportbegeisterte Unternehmer „Down Under“ und gründete in dieser Zeit auch eine Familie. Vor drei Jahren erfolgte die Rückkehr nach Vorarlberg. Seither unterrichtet er an der Volksschule Mitte in Bludenz: „Das Unterrichten hat mir immer schon Spaß gemacht. Ich möchte meine Schüler in erster Linie durch Motivation zu einer Lernneugier animieren. Also weniger vorgegebene Themeninhalte präsentieren, sondern die Möglichkeit bieten, eigene Erfahrungsmöglichkeiten zu sammeln und somit die kindeigene Neugier zu wecken. Denn es soll ja nicht für die Schule, sondern für das Leben gelernt werden.“ Außerdem sei es ihm wichtig, die Weltoffenheit bei seinen Schülern zu fördern, denn nur so könne ein Verständnis für andere Menschen und Kulturen entstehen. Diesen Ansatz verfolgt Patrick Burtscher nun auch als Geschäftsführer der Volkshochschule Bludenz: „Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene, sind unglaublich motivierbar, wenn ihnen die entsprechenden Anreize geboten werden.“ Seinem neuen, umfangreichen Aufgabengebiet widmet er sich mit viel Engagement, Innovationskraft und einer Portion Humor – welche bei Patrick Burtscher in allen Lebenslagen dazugehört.

 

 

Interview im Bludenz Journal

Juni 2022


Patrick Burtscher hat die Leitung der Volkshochschule Bludenz übernommen. Für sein neues Aufgabengebiet bringt er ein vielseitiges Erfahrungswissen mit.

Patrick Burtscher ist ein äußerst positiv eingestellter Mensch. Der Großwalsertaler stellt die persönliche Verkörperung des Begriffs „Lebenslanges Lernen“ dar. Der Pädagoge hat mit seiner Familie für 14 Jahre in Australien gelebt und dort ein erfolgreiches Unternehmen gegründet. Seit drei Jahren ist er nun wieder zurück, unterrichtet wieder und hat zudem die Geschäftsführung der Volkshochschule Bludenz am 1. März übernommen. Sein neues, umfangreiches Aufgabengebiet hat er mit viel Engagement und Tatkraft angetreten.


Herr Burtscher, sie sind ein begeisterter Pädagoge. Derzeit unterrichten sie an der Volksschule Mitte in Bludenz. Was ist Ihnen im Unterricht besonders wichtig?

Es ist schön, wenn Sie mir die Begeisterung anmerken. Das ist genau das, was ich den Kindern in der Schule und allen Erwachsenen in der VHS vermitteln will – Begeisterung am Wissenserwerb und die Freude am Lernen und Leben. Es gibt nichts Schöneres als das Leuchten in den Augen der Schüler*innen, wenn sie für sich etwas Neues entdeckt haben.

Seit Anfang März sind Sie bei der Volkshochschule Bludenz nun auch für Erwachsenenbildung zuständig. Unterscheidet sich grundsätzlich die Herangehensweise im Unterrichten oder gibt es Gemeinsamkeiten?

Das Lehren unterscheidet sich natürlich zwischen Volks- und Volkshochschule. Die Thematiken sind ganz andere. In der Erwachsenenbildung steht das persönliche Interesse, auf einem Gebiet Neues zu lernen, im Vordergrund. In der Schule bestimmt der Lehrplan die Themen.

Die Prinzipien aber, die ich vorher angesprochen habe, gelten für alle Altersklassen. Ich glaube, wir dürfen als Menschen nie aufhören, neugierig zu sein; also wirklich gierig auf Neues zu sein. Und als Pädagoge habe ich den Auftrag, diese Neugier zu entfachen und zu erhalten.  

Sie treten nach der vorherigen Geschäftsführerin Elisabeth Schwald in große Fußstapfen.Welche Voraussetzungen bringen Sie mit, um diesen gerecht zu werden?

Dass ich in große Fußstapfen trete, habe ich seit meiner Zusage Anfang des Jahres schon oft gehört aber auch gewusst. Elisabeth ist natürlich eine Ikone an der VHS und in Bludenz. Sie hat die VHS von einer kleinen Bildungseinrichtung zum größten Erwachsenenbildungsinstitut im Bezirk gemacht. Das ist eine Riesenleistung. An mir liegt es, diese Position beizubehalten. Beim Schneeschuhlaufen beispielsweise ist es ja ein Vorteil, in bereits gemachten Fußspuren zu laufen. Insofern hoffe ich, dass ich Elisabeths gelegtes Fundament nützen kann und, dass mit der Zeit meine eigenen Spuren sichtbar werden.

Meine langjährige Geschäftserfahrung und meine Studien im Ausland sowie meinen Beruf als Lehrer empfinde ich als eine gute Kombination für die Leitung der VHS.

Inwiefern finden Sie lebenslanges Lernen für die Persönlichkeitsentwicklung jedes Menschen wichtig?

Unser Leben ist unglaublich schnell geworden – in jeder Hinsicht. Wir sind steten Veränderungen ausgesetzt und nichts bleibt, wie es ist. Das fordert uns alle. Je mehr ich lerne und dann weiß, desto eher finde ich mich im Leben zurecht. Nicht zuletzt deshalb möchte ich immer wieder und immer mehr lernen – je mehr ich weiß, über die Geschehnisse der Welt, über die Geschichte und über mich, desto eher meistere ich die Herausforderungen des Lebens.

Welche Rolle spielen fundierte Sprachkenntnisse in Ihrem Leben?

Lustigerweise hatte ich bereits als Jugendlicher den Gedanken, dass bilinguale Kinder einen entscheidenden Vorteil haben / hätten. Damals hatte ich natürlich keine Ahnung, dass ich selbst einmal Vater von zweisprachigen Kindern sein würde oder selbst zwei Sprachen sprechen würde. In Deutsch und Englisch kommuniziere ich täglich; abgesehen davon finde ich beispielsweise im Internet viele interessante Artikel zu allen Themen aus Großbritannien, aus Amerika oder Australien in englischer Sprache. Es ist unglaublich spannend zu sehen, wie unterschiedlich verschiedene Länder an dieselben Herausforderungen herangehen. 

Sie haben 13 Jahre lang mit Ihrer Familie in Melbourne gelebt. Fiel es Ihnen schwer, wieder nach Vorarlberg zurückzukommen?

Ich hatte gemischte Gefühle. Ich ging als junger Lehrer aus einem kleinen Tal weg und kam als Mann mit vielen Erfahrungen und Eindrücken aus einer Großstadt zurück. Wie stark man sich selbst verändert, merkt man, glaube ich, erst, wenn man „zur Wiege“ zurückkehrt. Ich bin aber gerne zurückgekommen; Australien ist halt schon weit weg und ganz anders; wie sehr ich alles vermisst hatte, wurde mir erst einige Zeit nach der Rückkehr bewusst. Und das erachte ich als großes Geschenk – ich weiß, was wir hier haben. 

Stichwort Nordic Walking: Sie haben diese Sportart in Australien bekannt gemacht und ein Unternehmen gegründet. Was hat Sie dazu bewogen?

2005 war meine australische Freundin bei mir in Österreich. Damals ging es hier gerade los mit Nordic Walking. Sie wollte zurück nach Australien und wir überlegten, ob wir nicht im sportbegeisterten Melbourne Nordic Walking einführen könnten. Ich erinnere mich, als wir im Oktober 2005 nach Australien (aus)gewandert sind, kaufte ich zwei Tage nach der Ankunft Computer und Drucker und wir fingen mit dem eigenen Geschäft an, anfangs quasi als Personal Trainer. Daneben bauten wir eine Akademie für Nordic Walking auf und bildeten mehr als 500 „health professionals“ in ganz Australien und Neuseeland zu Nordic Walking Trainern aus. Ich fand alles sehr spannend; Als ausgebildeter Volksschullehrer hatte ich bis dahin hatte ich keinerlei Erfahrung in geschäftlichen Belangen gesammelt.

Wie wichtig ist Bewegung generell in Ihrem Leben?

Ungemein wichtig! Und das in zweierlei Hinsicht – körperliche und geistige Bewegung! Ganz nach dem Motto: „Mens sana in corpore sano“. Ich laufe gerne und spiele Tennis. Speziell bei einem Bürojob ist der körperliche Ausgleich wichtig; außerdem kommt man beim Laufen in der Natur auf andere Gedanken, was sich dann positiv auf die mentale Gesundheit auswirkt. 

Ihr neues Aufgabengebiet als Geschäftsführer der Volkshochschule ist sehr umfangreich. Worin sehen Sie die wichtigste Herausforderung, der Sie sich stellen müssen?

Im Moment bin ich noch der Lernende. Ich sehe eine große Herausforderung in der langfristigen Profitabilität / Rentabilität und damit dem Bestehen der VHS. Der Wettbewerb an Angeboten für Erwachsene allgemein ist immens groß. Da geht es ja nicht nur um Bildung, sondern um alle Aktivitäten, die Erwachsene neben ihrem Beruf ausüben. Wir möchten ein breit gefächertes Angebot für alle bieten und arbeiten darauf hin, dass lebenslanges Lernen für möglichst viele Menschen ein Ziel und Grundsatz im Jahr ist.

Die VHS Bludenz bedient ein sehr großes Einzugsgebiet und bietet auch Kurse außerhalb von Bludenz an. Planen Sie, die Produktpalette auch in den Außenstellen auszuweiten?

Das stimmt. Im Vergleich zu den anderen VHSen im Land sind wir für sechs Talschaften zuständig. Als „einem aus dem Tal“ ist es mir ein besonderes Anliegen, Kurse in allen Talschaften des Bezirks anzubieten. Wenn ich darf, rufe ich hier alle auf: „Meldet euch bei uns mit Wünschen und Anregungen für Kurse! Mein Team und ich freuen uns!“ 

Welche Vorhaben möchten Sie generell als Erstes umsetzen?

(Das ist eine schwierige Frage). Ich bin ein sehr organisierter Mensch – ich bin überzeugt von der Notwendigkeit von Strukturen, Systemen und Strategien in einem Geschäft. Indem ich versuche, das Geschäft „VHS Bludenz“ in bezug auf diese Dinge zu analysieren, lerne ich das Ganze auch am besten kennen. 

 

Zur Person: PATRICK BURTSCHER

Geboren: 20. Februar 1973

Familie: zwei Kinder (7 und 12 Jahre)

Beruflicher Werdegang: Pädagogische Akademie, ab 1996 Lehrer in Fontanella, im Montafon und Bregenzerwald, dazwischen ein Auslandsjahr in England, 2003 acht Monate Auszeit in Australien, 2005 Übersiedlung nach Australien, Gründung eines eigenen Unternehmens, 2019 Rückkehr nach Vorarlberg und in den Schuldienst, seit 1. März Geschäftsführer der VHS Bludenz

Hobbys: Sport, Sprachen, Psychololgie

Lebensmotto:  "Ich versuche heute besser zu sein als ich es gestern war."

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